Elchjagd bringt Kloster hervor

Das Schlosstor in Ellwangen auf Briefmarke der Deutschen Post aus dem Jahr 1964, MiNr. 246.

Das Schlosstor in Ellwangen auf Briefmarke der Deutschen Post aus dem Jahr 1964, MiNr. 246.

Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden, als es ihnen schlussendlich gelang, den Elchbock zu erlegen. Ersch√∂pft fiel Hariolf in einen festen Schlaf. In der Nacht wurde er von einem Glockenl√§uten aus seinen Tr√§umen gerissen. Er bezeichnete sich mit dem Zeichen des Kreuzes und schlief erneut ein. Als sich das Glockenl√§uten zum dritten Mal in der Nacht wiederholte, beschloss Hariolf, der Welt zu entsagen und sich ganz Gott hinzugeben. Er kehrte mit seinem Bruder Erlolf, dem Bischof von Langres, zur√ľck an die Stelle, an dem ihm durch das L√§uten der Glocken seine Bestimmung offenbar wurde und gr√ľndete dort das Kloster Ellwangen. Er benannte das Konvent ‚ÄěElchfangen‚Äú, woraus sich sp√§ter der Namen ‚ÄěEllwangen‚Äú ableitete. Auf diese Weise ist die Gr√ľndungsgeschichte des Ordenshauses in der ‚ÄěVita Hariolfi‚Äú beschrieben. Ein Ellwanger M√∂nch verfasste die Biografie des Klostergr√ľnders, die das wichtigste Zeugnis der Gr√ľndung Ellwangens darstellt.

Vor genau 1250 Jahren lie√üen die Br√ľder Hariolf und Erlolf das Kloster in der N√§he eines damaligen Alemannendorfes entstehen. Bereits wenige Jahre nach der Gr√ľndung musste die Familie es dem fr√§nkischen K√∂nig √ľbertragen. Aufgrund der Stellung als K√∂nigskloster und der g√ľnstigen Lage an zwei Fernstra√üen erfuhr das Ordenshaus bereits Anfang des neunten Jahrhunderts eine Bl√ľte. Im Jahr 830 z√§hlte das Kloster schon 120 Priester und Laienm√∂nche, acht Jahre sp√§ter stieg die Zahl auf 160. Der Besitz des Klosters nahm betr√§chtlich zu. Des Weiteren zogen eine Vielzahl von Reliquien immer mehr M√∂nche in das Benediktinerhaus. Die beiden Gr√ľnder brachten die Gebeine der sogenannten Pferdeheiligen Speusippus, Eleusippus und Meleusippus in das Gotteshaus. Der Legende zufolge sollen die Br√ľder unter Marcus Aurelius das Martyrium erlitten haben. Ihre Bezeichnung als Pferdeheilige geht auf ihre T√§tigkeit als Pferdez√ľchter zur√ľck.

Briefmarke aus dem Satz "Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten", MiNr. 495.

Briefmarke aus dem Satz „Deutsche Bauwerke aus zw√∂lf Jahrhunderten“, MiNr. 495.

Von 1100 bis 1124 l√∂sten neue Bauwerke im hochromanischen Stil die alte Stiftskirche sowie die anderen Klosterbauten ab. Ein Gro√übrand im Jahr 1182 machte einen erneuten Neubau notwendig. Ab 1350 machte der Verfall, der aufgrund der Pest und durch Missernten das Land heimsuchte, auch vor Ellwangen nicht Halt. Die M√∂nche des Klosters, die zumeist hochadliger Abstammung waren, trafen wichtige Entscheidungen selbst und widersetzten sich den Reformversuchen anderer Kl√∂ster. Gel√ľbde, wie Gehorsam und Armut, wurden au√üer Acht gelassen. Als die Stadt 1430 schlie√ülich von der Pest heimgesucht wurde, z√§hlte der Konvent nur noch drei M√∂nche. Nach einem weiteren Brand im Jahr 1443 kehrten auch die letzten M√∂nche dem Kloster den R√ľcken zu und zogen ein eher weltliches Leben in der Stadt vor. Am 14. Januar 1460 √ľbernahm schlie√ülich die F√ľrstpropstei Ellwangen unter Einverst√§ndnis des Papstes Pius II. das Kloster.

Noch heute pr√§gen die Stiftskirche und die Basilika das Bild der Stadt. Ellwangen setzt seine Geburtsstunde auf die Gr√ľndung des Klosters fest, weshalb die Stadt in diesem Jahr ihr 1250-j√§hriges Bestehen feiert. Unter anderem wird an das Jubil√§um in Form eine Marke Individuell gedacht. Unter den sieben verschiedenen Motiven finden sich auch Bauten des Klosters. In der Touristeninformation der Stadt sind die Marken erh√§ltlich (Tel.: 07961/84303, tourist@ellwangen.de).


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Authored by: Stefanie Dieckmann

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