Hohenzollern im Doppelpack

Hohenzollern im Doppelpack

Eine am 1. Juni 1900 in Kraft gesetzte √Ąnderung des deutschen M√ľnzgesetzes von 1874 erlaubte, dass im Kaiserreich wieder Gedenkm√ľnzen gepr√§gt werden konnten. Mehrere Bundesstaaten nutzten diese M√∂glichkeit und brachten Sonderpr√§gungen zu f√ľnf und zwei Mark sowie ab 1908 zu drei Mark heraus. Sie boten eine gute M√∂glichkeit, Botschaften und Bilder in weite Bev√∂lkerungskreise zu tragen und damit propagandistische Effekte zu erzielen. Medaillen, auch wenn sie noch so edel gestaltet und aufwendig gepr√§gt waren, reichten an die M√∂glichkeiten dieser Sonderpr√§gungen nicht heran.

Die 5- und 2-Mark-St√ľcke zum Preu√üenjubil√§um 1901 waren so begehrt, dass man in der Berliner M√ľnze die Auflage erh√∂hen musste.

Eile mit Weile

Wie M√ľnzakten im Geheimen Staatsarchiv Preu√üischer Kulturbesitz Berlin-Dahlem (GSTA I. HA Rep. 89, Nr. 669 sowie 183 Staatsm√ľnze, Generaldirektion Nr. 127 ff.) zeigen, befasste sich die kaiserliche Ministerialb√ľrokratie erst im Oktober 1900 mit dem Plan, eine Gedenkm√ľnze zum Preu√üenjubil√§um herauszugeben. Der Berliner M√ľnzdirektor Carl Conrad bat den Vizepr√§sidenten des K√∂niglichen Staatsministeriums, Staats- und Finanzminister Dr. Johannes von Miquel, mit Blick auf die kurze Zeitspanne um Eile. ‚ÄěIm Jahr 1701 sind offizielle Medaillen auf die K√∂nigsberger Kr√∂nung gepr√§gt worden, im Jahre 1801 sind offizielle Medaillen nicht geschlagen worden. Da zwischen heute und dem 18. Januar 1901 keine allzu gro√üe Frist liegt, so d√ľrfte f√ľr die Vorbereitungen f√ľr etwa befohlene Erinnerungsm√ľnzen pp. eine baldige Entscheidung w√ľnschenswert sein‚Äú, schrieb Conrad.

Der Plan zur Ausgabe der Gedenkm√ľnzen wurde von Kaiser Wilhelm II., der zugleich K√∂nig von Preu√üen war, wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die Jubelfeier verlief glanzvoll nach Plan, und dazu geh√∂rten nicht nur die Ausgabe der Gedenkm√ľnzen und Medaillen, sondern auch Denkmalweihen und Ordensverleihungen, erg√§nzt durch Prachtb√§nde, die das 200-j√§hrige K√∂nigtum und seine Herrscher √ľber den Klee priesen.

Neues Doppelbildnis

Hermann Friedrich von Lucanus, der Chef des Geheimen Zivilkabinetts des Kaisers, teilte am 31. Oktober 1900 seinem Kollegen Johannes von Miquel mit, dass der Kaiser die Auspr√§gung von Medaillen oder Gedenkm√ľnzen ‚Äď 5- und 2-Mark-St√ľcke ‚Äď w√ľnsche und entsprechende Vorschl√§ge erwarte. Da Kompetenzen beachtet werden mussten, wurden das f√ľr M√ľnzangelegenheiten zust√§ndige Reichsschatzamt und der Bundesrat informiert, in dem alle deutschen Monarchien und Freien St√§dte vertreten waren. ‚ÄěF√ľr die R√ľckseite der Denkm√ľnzen soll das jetzige Gepr√§ge, wie es sich auf den 5- und 2-Mark-St√ľcken findet, beibehalten werden, w√§hrend die Aversseite das Doppelbildnis weiland K√∂nig Friedrichs I. und des jetzt regierenden Kaisers und K√∂nigs Majest√§t mit den Umschriften ,Friedrich I. 1701‚Äė, ,Wilhelm II. 1901‚Äė tragen soll‚Äú, hei√üt es in einem Schreiben. Eine Neuanfertigung der R√ľckseite mit dem Reichsadler, die sich im Duktus oder wenigstens in der Schriftart der Vorderseite anpasst, hielt man damals nicht f√ľr n√∂tig, heute ist sie obligatorisch.

Friedrich I. und Wilhelm II. auf den Medaillen von 1901 in Herrscherpose stehend (Fotos: Caspar).

Im Adlerschmuck

Als ausf√ľhrenden K√ľnstler bestimmte Wilhelm II. den an seinem Hof angesehenen Grafiker, Portraitmaler, Heraldiker und Professor am Berliner Kunstgewerbemuseum Emil Doepler jun. Der K√ľnstler unterbreitete dem Kaiser mehrere Varianten f√ľr die Bildseite, so etwa Portraits, Kronen, Adler zwischen zwei Kronen, Kurhut sowie K√∂nigs- und Kaiserkrone, f√ľrstlicher Stammbaum mit einem daneben sitzenden Adler und einen Adler mit den Insignien der Monarchie auf einem Kissen. Der Kaiser verwarf alle Vorschl√§ge, denn ihn verlangte es nach einem Doppelbildnis mit seinem Portr√§t mit dem von K√∂nig Friedrich I. dahinter. Wilhelm II. wollte sich im Schmuck des von Angeh√∂rigen seines Nobelregiments Gardes du Corps getragenen Adlerhelms sowie mit den Insignien des Schwarzen Adlerordens √ľberm K√ľrass sehen.

Hermann von Lucanus bemerkte in einem weiteren Schreiben, Seine Majest√§t habe mit Bleifeder ‚ÄěAb√§nderungen‚Äú auf dem von Doepler vorgelegten Entwurf vorgenommen. ‚Äě1. Die Umschrift soll links ,Friedrich I 1701‚Äė und rechts ,Wilhelm II 1901‚Äė lauten und nur je eine Zeile bilden. 2. F√ľr das Bildnis des K√∂nigs Friedrich I. soll der Lorbeerkranz beibehalten und als Muster der Avers derjenigen Medaille genommen werden, deren Revers den mit der K√∂nigskrone im Schnabel zur Sonne fliegenden Adler zeigt. 3. Bei dem Bildnisse Seiner Majest√§t des Kaisers und K√∂nigs soll der Kragen mit der Gardelitze versehen werden und der Mantel etwas tiefer kommen, damit der K√ľra√ü sichtbar wird. 4. F√ľr das Bildnis Seiner Majest√§t soll die beifolgende Profilphotographie zu Grunde gelegt werden.‚Äú Der Kaiser war mit den √Ąnderungen einverstanden und stellte das Geld f√ľr das K√ľnstlerhonorar und die Anfertigung der Stempel aus seinem Dispositionsfonds bereit. Bei seinen Untertanen kam die neue Gedenkm√ľnze unterschiedlich gut an. Scherzhaft wurde gefragt, ob die ‚ÄěDame mit hoher Frisur‚Äú hinter dem Kaiser etwa die Kaiserin sein soll. Auf zeitgleich gepr√§gten Medaillen hat man K√∂nig Friedrich I. und Kaiser Wilhelm II. deutlicher voneinander abgehoben.

Text: Helmut Caspar


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