Mallorca: Erstaunlich natürlich

Mallorca: Erstaunlich natürlich

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie Mallorca hören? Mittelmeer? Strandurlaub? Sonne? Große Hotels mit Rundumservice? Volle Strände? Vielleicht auch Partys am Ballermann? „17. Deutsches Bundesland“? …

Aber Mallorca hat auch eine ganz andere Seite: Flora und Fauna der Insel beeindrucken durch ihre Fülle. Sicher fallen Mallorca-Besuchern die üppigen Pflanzen auf, die wegen des ganzjährig milden Mittelmeerklimas an so naturfremden Orten wie in den Städten und an den Straßen der Insel wachsen – seien es die traumhafte Mandelblüte, die im Januar beginnt oder die pink und violett leuchtenden Bougainvilleen, die sich an vielen mallorquinischen Häusern und Mauern emporranken. Unübersehbar in Rot, Weiß und Rosa säumen Oleanderhecken die Straßen der Insel. Wer in kleinen Buchten nach Schatten sucht, der freut sich über die schattenspendenden, mit den Pinien verwandten Aleppokiefern.

Bei den philatelistischen Recherchen für diesen Artikel musste ich feststellen, dass die Natur als Thema auf Mallorca in der Vergangenheit keine wesentliche Rolle gespielt hat. Ich fand nur sehr wenige zeigenswerte Briefmarken und Belege, auf denen die mallorquinische Flora oder Fauna abgebildet sind. Vielmehr werden auf den meisten alten Belegen die Erschließungen des bis dahin „ungenutzten“ – also natürlichen – Geländes, die „überwältigend schönen“ Neubauten der großen Hotels und die Folklore aus dem Blickwinkel der „zivilisierteren“ Besucher gefeiert. Natürlich waren die Feriengäste begeistert, wenn sie die urigen Ortschaften, wie den auch heute noch wunderschönen Ort Valldemossa, besichtigten. Doch viel zu lange strebte man danach, alles so touristenfreundlich wie möglich zu gestalten. Leider mit schwerwiegenden Folgen insbesondere für die Küstenregionen der Insel. Es war höchste Zeit, als vor einigen Jahren damit begonnen wurde, die Inselnatur vor weiterer Brandrodung und Bebauung zu schützen.

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Auf 420 Metern Höhe im Herzen des Tramuntana-Gebirges: das wunderschöne Valldemossa (Quelle: Ansichtskartenversand.com).

Naturschutzgebiete Mallorcas – an Land und im Meer

Vier große Naturparks stehen auf Mallorca unter Naturschutz, außerdem sind weitere Bereiche als Schutzgebiete ausgewiesen. Auch einige Meeresflächen werden geschützt und weitere Protektionsgebiete eingefordert. Denn Tiere und Pflanzen in solchen Schutzzonen profitieren nachweislich davon.

Nationalpark Archipiélago de Cabrera – voller Leben

Der Nationalpark Archipiélago de Cabrera umfasst mehrere kleine, so gut wie unbewohnte, vor Mallorca liegende Inseln. Einige endemische Tier- und Pflanzenarten gedeihen hier und für viele Zugvögel sind die Inseln eine wichtige Station. Dauerhaft leben und brüten in diesem europäischen Vogelschutzgebiet große Kolonien von Meeresvögeln. 26 Vogelarten ziehen auf den Inseln ihre Küken groß. Mittelmeer- und Korallenmöwen nisten hier ebenso wie Balearen-Sturmtaucher, Gelbschnabel-Sturmtaucher und Sturmschwalben. Die zur Familie der Kormorane zählenden schwarzen Krähenscharben überwintern außerdem hier. Auch Fischadler, Eleonoren- und Wanderfalken nutzen die steilen Bergflanken, um dort ihre Nester zu bauen.

Die kleine, aus der Nähe betrachtet farblich sehr interessante Baleareneidechse findet man nur im östlichen Teil der Inselgruppe. Leider wurden außer einigen Fledermausarten alle landbewohnenden Tiere, die zwischen den wilden Ölbäumen, Phönizischem Wachholder und Baumförmigen Strauchpappeln leben, vom Menschen eingeschleppt.

Im Meer tummeln sich gemeinsam mit 200 Fischarten und circa 1000 Wirbellosen verschiedene Delfinarten, darunter der als „Flipper“ bekannt gewordene Große Tümmler, Gewöhnliche Delfine, Blau-Weiße Delfine und die auf der Nordhalbkugel sonst nur im Atlantik heimischen Grintwale. Nicht nur hier im Mittelmeer rund um die Balearen, sondern auch in tropischen Meeren findet man die Unechte Karettschildkröte, mit einer Länge von bis zu 120 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 110 Kilogramm ist sie wohl einer der ganz außergewöhnlichen Bewohner des Archipels.

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Die Unechte Karettschildkröte lebt im Nationalpark Cabrera
(4 Fotos: wikimedia.org), darunter MiNr. 166 aus Aruba, 1995.

Serra de Tramuntana mit dem höchsten Berg der Insel

Das Welterbe Serra de Tramuntana – ein Gebirge, das sich bis zur westlichen Spitze und über den gesamten Nordwesten Mallorcas zieht – steht größtenteils unter Naturschutz. In diesem Gebirge, mit dem höchsten Berg der Insel, dem 1445 Meter hohen Puig Major, zeigt sich das wilde Mallorca mit seiner ursprünglichen Vegetation und weitgehend intakten Natur.

Eine besonders aufsehenerregende Geschichte ist über einen endemischen Minifroschlurch namens „Ferreret“ zu erzählen: Fossile Reste, die erst 1977 in einer Höhle entdeckt wurden, wiesen darauf hin, dass hier bereits Tausende Jahre, bevor die ersten Menschen auf der Insel ankamen, die Mallorca-Geburtshelferkröte (Ferreret) lebte. Sie wurde aber zunächst als ausgestorben eingestuft. Obwohl den in den Bergen wohnenden Menschen bekannt, entdeckten Forscher lebende Exemplare des Frosches und seiner Kaulquappen hier erst 1979 offiziell wieder. Es war damals eine der wichtigsten Entdeckungen dieser Art in Europa. Sogar der weltberühmte Naturfilmer Sir David Attenborough reiste für eine BBC-Dokumentation über Amphibien an, um mit diesen Fröschchen eine Szene zu drehen. Der winzige Froschlurch (Weibchen werden 38 Millimeter, Männchen 34,7 Millimeter groß) lebt in Wassertümpeln und Pfützen in schützenden Höhlen.

S’Albufera, der Naturpark im Nordosten der Insel

Als wichtigstes Feuchtgebiet der Balearen wurde S’Albufera bereits 1987 zu einem besonderen Vogelschutzgebiet und zu einem international bedeutenden Gebiet nach der Ramsar-Convention (Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung) erklärt. Das hier wachsende Ried und Schilf ernteten die Bauern in früheren Zeiten und verwendeten es als Viehfutter.

Erstaunlich vielfältige Vogelstimmen sind in S’Albufera zu hören: 230 der auf den Balearen bekannten Vogelarten sind hier anzutreffen. Flamingos und Watvögel ruhen sich auf ihren jährlichen Zügen hier aus, Fischreiher verbringen hier den Winter.
Da in den Sommermonaten Meerwasser in die sumpfige Gegend gelangt, gedeihen hier Salzpflanzen und Binsen, Tamarisken, Ulmen und Weißpappeln. Im Winter wird das Gebiet von Fließgewässern gespeist. Aale, Barsche und der Mittelmeer-Ukelei, der auch Zwiebelfisch genannt wird, halten sich in den Feuchtgebieten auf.

Kurzer Exkurs: Kurioserweise wird ein „falscher Buchstabe“ im Druck auch als Zwiebelfisch bezeichnet, ob der Namensgeber dafür Pate stand ist nicht erforscht.

Für Naturfreunde lohnt sich also ein Ausflug in diese besondere Umgebung allemal – sie hat so gar nichts mit Strandleben zu tun.

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Beleg mit einer der wenigen Briefmarken (MiNr. 2090), auf denen eine einheimische Eidechse abgebildet ist (Quelle: Delcampe).

Sa Dragonera – hier leben kleine Drachen

Die kleine unbewohnte Felseninsel Sa Dragonera erhielt ihren Namen durch ihre Form, die an einen im Wasser liegenden Drachen erinnert. Aber auch die unzähligen Eidechsenarten, die diese Insel seit Urzeiten bevölkern, könnten zur Namensgebung beigetragen haben. Eine ganz eigene Unterart der Balearen-Eidechse hat sich hier entwickelt, die Dragonera-Eidechse. Auch hier, wie auf Mallorca, sind die seltenen Geburtshelferkröten heimisch.

Zwischen April und Oktober besteht die Möglichkeit, die geschützte Insel von mehreren mallorquinischen Häfen aus zu besuchen. So ist ein weitgehend schonender Tourismus möglich. Hinzu kommt, dass es auf der Insel keine Unterbringungs- oder Einkehrmöglichkeit gibt. Taucher schätzen die Gewässer rund um die Insel als beliebtes Tauchrevier, mit einer faszinierenden Unterwasserwelt.

Mandragó – traumhafte Strände für die Natur

Im Naturpark Mandragó im Südosten der Insel befindet sich neben einem der schönsten Naturstrände Mallorcas – er wird als umweltfreundlicher Strand von den Gästen respektiert – der Strand Calla S’Amarador, der 2008 auf „onebeach.com“ zu „Europas bestem Strand“ gewählt wurde. Die Ernennung zum Naturpark im Jahre 1992 konnte diese Region erfolgreich vor Bebauung und dem Massentourismus schützen. Hier werden die Geräusche der Natur weder durch laute Musik noch durch lärmenden Wassersport gestört.

Dies ist ein wundervolles Beispiel, wie durch Schutzmaßnahmen sowohl die Natur als auch die Gäste der Natur – das sind wir als Besucher nämlich – profitieren können. Alles umrahmt vom Naturpark Mandragó mit seiner unglaublichen Pflanzenvielfalt. Durch die streng kontrollierten Schutzmaßnahmen wird gewährleistet, dass sich auf diesem Terrain viele sehr seltene Arten finden lassen. Zur Vogelvielfalt zählen hier unter anderem Schwarzkehlchen, Rotkopfwürger und Sardengrasmücken. In den traumhaften Feuchtgebieten lassen sich größere Rallenvögel-Populationen beobachten.

Península de Llevant – der geschrumpfte Naturpark

Dieser Naturschutzpark hat eine eher tragische Geschichte. Auf der Halbinsel (spanisch: Península) Llevant, im Nordosten von Mallorca, wurden im Jahr 2001 erfreulicherweise über 20 000 Hektar als Naturpark unter Schutz gestellt. Der Park erstreckte sich über 16 232 Hektar Landfläche und 5275 Hektar Meeresfläche.

Hier schien die Zeit still zu stehen, denn ehemalige landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden wieder der Natur überlassen. Die Parkfläche erstreckte sich bis zum östlichsten Punkt der großen Baleareninsel, dem Punta de Capdelapera. Obwohl die privaten Eigentümer ihre Agrarflächen nicht mehr nutzten – der Tourismus erschien den Bauern als bessere Einkommensquelle –, legten sie Einspruch gegen die Schutzzone ein. So wurde die Regierung der Balearen Ende 2003 gezwungen, die Naturparkfläche um 92,23 Prozent zu verringern. Übrig geblieben sind 1671 Hektar Parkfläche, die sich heute zum größten Teil in der Gemeinde Artà im Norden des Gebirgszuges Massiv d’Artà bis zum Cap Ferrutx ziehen. Glücklicherweise besteht dieses Gebiet aus drei staatlichen Landgütern und dem Naturreservat Cap des Freu, gehört also zum Landeseigentum.

Anders als beispielsweise im Tramuntana-Gebirge, trifft man hier nur wenige Wanderer und Naturliebhaber an. Diese finden neben den verwilderten Oliven-, Mandel-, Feigen- und Johannisbrotkulturen auch viele endemische Pflanzen. Insbesondere das Balearische Johanniskraut und der Meeres-Gamander wachsen auf dem Gebiet, das mit einer großen Vielfalt an Lebensräumen, wie Felsküste, Höhlen und Erdlöchern, Quellen und Wildbächen, schattenreichen Wäldern, und der offenen mediterranen Strauchformation Garrigue ein einzigartiges Habitat darstellt.

Balerarische Schnirkelschnecken mit ihren künstlerisch verzierten Schneckenhäusern sind hier ebenso zu beobachten wie der Höhlen-Pseudoskorpion und eine weitere auf Mallorca lebende Unterart der Grasmücken, die Balearen-Grasmücke.
Die große Anzahl unterschiedlicher Vögel ist in diesem Naturschutzpark besonders auffallend. Korallenmöwen, Krähenscharben und Kormorane sind hier zuhause und sogar die seltenen Fischadler und elegante Zwergadler können mit etwas Glück bei der Jagd beobachtet werden. Vielleicht sitzt sogar einer der hier lebenden Schmutzgeier auf einem Baum zwischen den Felsen und wartet auf die Gelegenheit, einem Eleonorenfalken Aasreste abspenstig zu machen. Auf der Insel galten bis vor Kurzem die beeindruckenden Rotmilane noch als ausgestorben. Inzwischen wurden einige Exemplare ausgewildert und ziehen über der Halbinsel wieder ihre Kreise.

Freilebende Mittelmeerschildkröten, die außer auf den Balearen auch in Katalonien anzutreffen sind, haben hier einen Platz gefunden, an dem sich ihre Bestände erholen können. Die bis über 20 Zentimeter großen Tiere legen ihre Eier in Erdlöcher und lassen sie dort von der Sonne ausbrüten. Ihre hauptsächlich pflanzliche Nahrung besteht aus den hier wachsenden Wildpflanzen.

Zu schade für einen Kurztrip

Als ich vor einigen Jahren einen dreiwöchigen Mallorca-Urlaub in einem Hotel am Fuße des Tramuntana-Gebirges verbrachte, waren unsere Gastgeber sehr erstaunt, dass wir für eine „so lange“ Zeit eincheckten. Schnell hatten mein Partner und ich vom Hotelpersonal die Zusatzbezeichnung „die Drei-Wochen“ bekommen. Gewohnt ist man, auf der Insel eher Kurzurlauber anzutreffen. Die meisten Gäste reisen nach spätestens einer Woche wieder ab, was schade ist, denn selbst nach drei Wochen hatten wir den Eindruck, die Insel nicht einmal zu einem Bruchteil kennengelernt zu haben.

Den meisten Mallorca-Kurzurlaubern sind die Gebiete von Mallorca sicher weniger bekannt, die unter besonderem Naturschutz stehen und häufig nicht direkt neben den beliebten Urlaubsorten liegen. Diese geschützten Landschaften sorgen aber dafür, dass die Vielfalt der Flora und Fauna auf der Insel – trotz des großen Tourismus – noch lange erhalten bleibt.

Text: Carolin Köpp / Quellen: www.wikipedia.de, www.wikimedia.org, Informationsblatt Govern des les Illes Balears, www.mallorca-expert.net, www.masmallorca.es


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Authored by: BMS-Redaktion

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