Handbuch und Katalog: Karitative Ballonpost

Handbuch und Katalog: Karitative Ballonpost

Johannes E. Palmer widmet sich in einem mehrbĂ€ndigen Werk der karitativen Ballonpost, also Ballonfahrten, mit denen PoststĂŒcke befördert werden, deren Erlös WohltĂ€tigkeitszwecken dient. Solche Aufstiege wurden insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Österreich und der Schweiz organisiert. In diesen drei LĂ€ndern entstand das Sammelgebiet der karitativen Ballonpost.
Der Reiz dieser Belege besteht zum einen darin, dass im Vorhinein weder Flugroute, noch Flugziel oder Flugdauer bestimmt werden können. Zum anderen sorgen die Veranstalter fĂŒr attraktive Belege, hĂ€ufig Sonderkarten oder -umschlĂ€ge, die neben Aufgabe- und Ankunftsstempel einen Ballon- und Beförderungsstempel, gelegentlich zudem besondere Vignetten tragen.

Erster Aufstieg 1785

Der Ballon als Luftfahrzeug ist Ă€lter als das Flugzeug und eine Postbeförderung durch einen Ballon gab es schon lange, bevor Briefe und Karten in einer Flugmaschine befördert wurden. Wie der Autor in seinem Werk berichtet, fand bereits 1785 ein Ballonaufstieg im schweizerischen Solothurn zugunsten der Kinderhilfe statt. FĂŒr den 17. Juli 1859 ist die erste amtliche Ballonpostbeförderung belegt, damals in den USA. In Deutschland fand ein erster Ballonpostaufstieg im Juni 1897 statt. Bekannt ist die Pariser Ballonpost im Deutsch-Französischen Krieg fĂŒr die Übermittlung von Nachrichten aus dem belagerten Paris.
Das war einer der sehr seltenen Transporte von Bedarfspost per Ballon. Denn das Problem dieser Zustellart ist die fehlende Steuerbarkeit eines Ballons, um gezielt von einem Ort zum anderen zu fahren; wohlgemerkt nicht zu „fliegen“, denn Ballons fahren in der Luft, da sie insgesamt „leichter“ als die umgebende AtmosphĂ€re sind.

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Schweizer Ballonpost

Johannes E. Palmer ist selbst auch ein erfahrener HĂ€ndler und legt nun den Band 3 seines Werks vor, der Belege aus der Schweiz umfasst. Geplant ist fĂŒr dieses Jahr zudem die Herausgabe von Band 1 (Deutschland) und Band 2 (Österreich).
Der hier vorgestellte Band umfasst 408 Seiten und gliedert sich in drei Abschnitte: Der erste behandelt die „Fred Dolder Ballonpost“, welche die VorlĂ€ufer (1946−1952), die sogenannten Abonnement-Belege (1953−1986) sowie die Bordpostbelege (1957−1981) umfasst. Daran schließt sich mit Teil 2 die Ersttagsbriefe-Ballonpost der Phasen 1 (1961− 1974) und 2 (1975−2001) sowie deren MitlĂ€ufer an. Ein eigenes Kapitel behandelt die hochalpine Ballonpost ab MĂŒrren (Phase 1: 1966− 1991, Phase 2: 1992−2011). Diesem ist eine Übersicht aller Hochalpen-Ballonaufsteige der Internationalen Spelterini-Gesellschaft ab MĂŒrren vorangestellt, teils mit Fahrt-Übersichten.

Initiator Fred Dolder

Der Beginn der schweizerischen Ballonpost ist untrennbar mit dem Namen Fred Dolder verbunden. Dolder (1898− 1988) war von Beruf Hotelier, widmete sich der Jugendhilfe und verband dieses Anliegen mit dem Ballonfahren. Er unternahm ĂŒber 600 Ballonfahrten, darunter 50 AlpenĂŒberquerungen. Dabei sammelte er mehrere Millionen Franken fĂŒr die Pro Juventute- und Pestalozzi-Kinderdörfer.
Palmers Handbuch und Katalog listet akribisch sĂ€mtliche Belege in allen vorkommenden Varianten auf. Übersichtlich werden die Daten (Aufstiegs- und Landeort, Ballon, Pilot, Auflagenhöhe) genannt und alle Belege in Farbe abgebildet. Allein das BlĂ€ttern durch die Bildseiten ist ein Erlebnis und auch fĂŒr den Nicht-Ballonpostsammler gewinnbringend. FĂŒr alle Belege werden Preise genannt, die der aktuellen Marktlage und den Handelsangeboten entsprechen. Sammlerinnen und Sammler dĂŒrfen gespannt sein auf die angekĂŒndigten weiteren BĂ€nde dieses Werks, dem eine gute Verbreitung zu wĂŒnschen ist.
Handbuch und Katalog Caritative Ballonpost 1946–2022, Band 3: Schweiz. Johannes E. Palmer. Aerophilatelie Palmer Literatur 2023, ISBN 978-3-9825412-0-4, Preis: 49,80 Euro. Bezug beim Autor: Johannes E. Palmer, Falkenweg 3, 89284 Pfaffenhofen an der Roth, E-Mail: mail@aerophil.de.
Horst Teichmann
Authored by: redaktiondbz

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