Viele Grüße aus Tampere! (Teil 3)

Viele Grüße aus Tampere! (Teil 3)

Unser Autor Jonas Staab macht derzeit ein Praktikum im Finnischen Postmuseum in Tampere. In den nächsten Wochen wird er uns davon berichten (Hier geht es zum Teil 1).  

Woche drei begann mit den ersten warmen Sonnenstunden in Südfinnland, das dicke Eis begann gegen Mittag zu tauen, bevor es dann Nachts wieder gefror, um morgens wieder spiegelglatt zu werden, wenn ich zum Postmuseum lief. Als Allgäuer kennt man zwar Schnee und Kälte, aber nicht dieses massive Glatteis auf Gehwegen und Straßen.

Postmuseum_Tampere-

Finnisch, Schwedisch, Russisch. Postschilder zeigen die wechselhafte finnische Geschichte beispielhaft.

Im Postmuseum selbst wartete eine etwas schwierige Sammlung auf mich, die ich zu betreuen hatte. Es handelte sich dabei um einen bunten Haufen unzähliger Weihnachtspostkarten und Briefausschnitte der vergangenen zehn Jahre. Zwar sind derartige moderne Briefmarken mein Sammelgebiet, jedoch hatte ich keine wirkliche Idee, wie man diese in irgendeine gute Ordnung bringen könne. Auch Sanna Oikarinen, die Leiterin der philatelistischen Abteilung Sammlung, konnte mir nicht weiterhelfen. Auf meine Nachfrage, woher diese Briefmarken und Ansichtskarten stammen würden, meinte sie, sie würde aus jener Zeit stammen, als das Postmuseum sich noch im Hauptpostamt in Helsinki befand. Viele Menschen meinten, sie könnten mit derartigen Dingen dem Museum eine Freude bereiten. Ich habe schlussendlich alles so sortiert, wie die anderen Sammlungen geordnet sind und konnte vielleicht einen kleinen Überblick über das „Sammelsurium“ geben.


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Wie bereits erwähnt, war das Museum nicht immer in Tampere. Viele Jahrzehnte vorher befand es sich im „postitalo“ in Helsinki gegenüber dem Hauptbahnhof, dem Hauptpostamt der finnischen Hauptstadt. 1996 wurde das Vapriikki-Museumszentrum eröffnet, wobei das Postmuseum erst 2014 dort seinen Platz fand. Heute wird dort die finnische Postgeschichte seit dem 17. Jahrhundert in mehreren Bereichen präsentiert. Beispielsweise werden sämtliche Postuniformen und Postschilder gezeigt. Die Schilder zeigen die wechselhafte finnische Geschichte zwischen schwedischer und russischer Zeit sehr deutlich, da zeitweise drei Sprachen verwendet werden mussten. Wie bereits im ersten Bericht geschrieben, besticht dieses Museum durch seine Interaktivität, besonders für Familien.

Plausch mit dem Postler

So können an einer großen Karte alte Postrouten sichtbar gemacht werden oder die Besucher können mit früheren Postbeamten aus dem 18. Jahrhundert „sprechen“. Die beiden Museumspädagogen, Emilia und Olli, berichteten mir, wie beliebt der etwas verwirrte und schläfrige Beamte bei den Kindern ist. Er ist einer der Höhepunkte der Schülerführungen. Zusätzlich gibt es eine kleine Bastelwerkstatt, die Schulklassen mit einem jeweils speziellen Aspekt zum Thema Post oder Brief buchen können.

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Zehn Uniformen aus zehn unterschiedlichen Epochen werden im Postmuseum gezeigt.

Ebenfalls beliebt ist das Post-Kino, in dem aus vielen verschiedenen Jahrzehnten Postmitarbeiter bei der Sortierung oder der Zustellung gezeigt werden. Diese Filme stammen aus dem Archiv der finnischen Post, deren Bestand seit geraumer Zeit Helena Kuczka-Kattainen aufwendig digitalisiert und archiviert. Bestimmt werden noch weitere Filme über den Postalltag in Suomi im Museum zu sehen sein.

Wussten Sie eigentlich, dass es in Finnland seit 2021 eine Fernsehserie über die finnische Post und ihre Mitarbeiter gibt? Der private Fernsehsender nelonen (Deutsch: „Vierer“) zeigt seit vergangenem Jahr die Dokumentation „me postilaiset“ (Wir Postler), deren zehn Folgen ein so großer Erfolg waren, dass schon die nächsten produziert werden. Auch das Postmuseum hat einmal kurz mitgespielt-leider kann man die Serie nur in Finnland sehen.

Eine schöne Woche! Viele Grüße nach Deutschland! (Weiter zu Teil 4)

Ihr Jonas M. Staab

 

Authored by: redaktiondbz

There are 10 comments for this article
  1. Dieter Stephan at 11:47

    Wieder toll der Bericht. Wie lange bleibt der Redakteur noch in Finnland? Hoffentlich lange, damit wir weiterhin aus Tampere etwa hören. Postgeschichtlich interessant

    • Jonas Staab at 14:16

      Hallo 😉
      Es folgen noch drei weitere Berichte, werde noch bis Mitte April in Tampere sein. Schön, dass Ihnen die Artikel gefallen.

      Viele Grüße ,
      Jonas Staab

  2. Helmuth at 11:58

    Erscheinen diese Berichte auch in der Papier-DBZ?

  3. Thomas Schmidt at 12:12

    Ich meine, Herr Staab war vor vielen Jahren einmal im ZDF zu sehen, als er die Messe Essen oder Sindelfingen besuchte. Kann das sein?

    • Jonas Staab at 14:14

      Hallo Herr Schmidt!
      Ja, da war ich damals zu sehen. Das ZDF drehte auf der Messe in Essen.
      Viele Grüße,
      Jonas Staab

  4. Sammler at 14:40

    Sehr interessante Einblicke in die finnischen Postgeschichte(n). 👍

  5. David Fasching at 16:00

    Wieder ein sehr spannender Einblick, Jonas! Und wie cool, dass es eine Fernsehserie von der Post gibt!?!
    Freue mich auf die weiteren Teile deines finnischen Abenteuers! 😁

  6. Jonas Staab at 16:23

    Danke für den freundlichen Kommentar, David. Die Fernsehserie können wir gerne einmal in Wien besprechen und kommentieren. Bis bald!

  7. Hans Schwarntruber at 19:24

    1999 habe ich das Postmuseum im Hauptbahnhof in Helsinki besucht, an die Uniformen und die Postschilder kann ich mich nicht erinnern.

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