Praxistipp: Auf Spurensuche

Praxistipp: Auf Spurensuche

Praxistipp_Briefmarken_Fingerabdruecke_Polizei_Teil_2_1949

Bund: 112 II Bundestag mit Plattenfehler, postfrisch, kleiner Fingerabdruck, 45 Euro unverkauft.

Die Erl√§uterungen und philatelistischen Bestimmungen des Bundes Philatelistischer Pr√ľfer (BPP) definieren unter Punkt 5.1.: ‚ÄěDer Begriff ,postfrisch‚Äė ist eine Zustandsbezeichnung, die sich ausschlie√ülich auf die Gummie¬≠rung bezieht (Marken, die ohne Gummi verausgabt wurden, k√∂nnen, m√ľssen aber nicht als ,postfrisch‚Äė bezeichnet werden).

Als postfrisch mit Originalgummierung (kurz ,postfrisch‚Äė) gelten nicht entwertete Marken, deren Gummierung nicht ver√§ndert wurde und dem Originalzustand unter Ber√ľcksichtigung eines nat√ľrlichen Alterungsprozesses entspricht. Geringe Finger- oder Griffspuren beeintr√§chtigen in der Regel diesen Zustand nicht‚Äú (Begriffslexikon der Philatelie des BPP).

In der Praxis des Marktgeschehens sind nicht alle Sammler so tolerant. Manche nehmen Fingerabdr√ľcke ohne Beanstandung hin, doch eine betr√§chtliche Zahl h√§lt sie f√ľr einen berechtigten Grund zur Reklamation. Ob und wie sehr sich der Wert einer Marke reduziert, wenn sie Fingerabdr√ľcke aufweist, dar√ľber diskutieren Sammler schon seit Jahren in Internetforen.

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Rabatte zwischen zehn und 20 Prozent sind bei Standardsorten mit deutlichen Fingerabdr√ľcken kaum ausreichend, um K√§ufer zu locken. 25 bis 40 Prozent billiger erscheint als ein fairer Mittelwert. Nach Meinung von besonders kritischen Stimmen sollen derartige St√ľcke sogar 50 bis 70 Prozent tiefer anzusetzen sein.

Wenn bei einem kompletten postfrischen Satz nur eine g√ľnstige Sorte betroffen ist, f√§llt das kaum ins Gewicht. Doch handelt es sich um einen H√∂chstwert, ist nicht zuviel Toleranz angebracht. Im Verkaufsfall wird man sp√ľrbar weniger erzielen als f√ľr eine makellose Serie, im schlimmsten Fall um das Niveau von gefalzter Erhaltung. Festgestellte Fingerabdr√ľcke werden in etlichen Attesten gesondert erw√§hnt.

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Besonders aufpassen sollte man bei Sorten mit metallischen Druckfarben, in Gold-, Silber- und Kupfert√∂nungen. Hier kann schon eine leichte Ber√ľhrung Abdrucke hinterlassen, die sich nicht mehr entfernen lassen. Gro√üe Verluste kann das Falten und Zertrennen von Einheiten und Zusammendrucken bringen.

Ein Beispiel, bei dem der Michel-Katalog ausdr√ľcklich in einer Fu√ünote darauf verweist, ist der teuer gewordene Satz MiNr. 966 bis 976 aus der Volksrepublik China vom April 1967. Zehn von Mao aufgestellte Thesen sind mit goldenen chinesischen Schriftzeichen und Rahmen auf Rott√∂ne gedruckt worden, in zwei F√ľnferstreifen jeweils waagerecht im Bogen zusammenh√§ngend. Dazu hei√üt es: ‚ÄěDer Golddruck ist empfindlich. Die Preise gelten f√ľr Marken ohne Fingerabdr√ľcke.‚Äú

F√ľr die zwei F√ľnferstreifen MiNr. 967 bis 971 und 972 bis 976 in ungefalteter Bestqualit√§t gelten postfrisch 6000, gestempelt 2000 Michel-Euro. Der Einzelwert ohne Goldfarbe, Mao Zedong auf MiNr. 966, steht nur bei 60 / 50 Euro.

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Fingerabdruck in Markenfarbe r√ľckseitig auf Eckrandst√ľck von ¬≠Allenstein ‚Äď hat sich der Drucker pers√∂nlich verewigt (von Poblocki)?

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Es findet sich aber auch eine ganze Reihe von Beispielen in der Philatelie, bei denen Fingerabdr√ľcke interessante und sammelw√ľrdige Extras darstellen.¬†Der N√ľrnberger Fachh√§ndler Uwe von Poblocki offeriert ein linkes oberes Eckrandst√ľck der unverausgabten Germania-Freimarke Allensteins von 1920 zu 30 Pfennig blau, MiNr. V DZ mit dreizeiligem Aufdruck. Am linken Rand erscheint als Druckerzeichen ‚ÄěAnlage‚Äú, auf der R√ľckseite ein Fingerabdruck in der Markenfarbe. Er stammt m√∂glicherweise vom Drucker pers√∂nlich aus der Produktionsphase der Urmarken.

Druckproben und Phasendrucke von Postwertzeichen der Vereinten Nationen wurden √ľber Jahrzehnte auf der R√ľckseite mit dicken Fingerabdr√ľcken gekennzeichnet. Das sollte wohl einst den unberechtigten Verkauf auf dem Sammlermarkt erschweren, wird aber heute eher als Echtheitsmerkmal betrachtet.

Ein eBay-Angebot pr√§sentierte eine quadratische 1-Cent-Marke von 1869 (Scott 112), die mit zwei Fingerabdr√ľcken entwertet wurde, wohl wegen Fehlens eines Poststempels.¬†Selbst die Fingerspuren des legend√§ren ‚ÄěMeisterf√§lschers“ Jean de Sperati sind zum Sammelobjekt geworden. Zu finden waren sie in einem einmaligen Archiv-Bestand mit Arbeitsunterlagen des genialen franz√∂sischen Reproduzenten zu klassischen Schweiz-Ausgaben.

Unter den gut 300 Objekten einige Versuche zu den Druckfarben der Z√ľrich-4-/6-Rappen in Schwarz-Graut√∂nen, durch eingef√§rbte Finger erstellt. Auch Entwertungsproben mit handschriftlichen Notizen und seinen Fingerabdr√ľcken tauchten hier auf, mit denen er die Wirkung der rostroten Stempel imitierte (David Feldman, Sch√§tzwert 75000 Euro).

Autor: Michael Burzan

 

 

Weitere Teile dieser Serie finden Sie hier:
Teil 1: Anfassen erlaubt!?
Teil 2: Auf Spurensuche
Teil 3: F√ľr Daktyloskopen
Teil 4: Als Signaturen


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Authored by: BMS-Redaktion

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