Ein Eisenwerk wird Weltkulturerbe

Voelklinger Huette auf Briefmarke von 1996Eindrucksvoll sind schon Fotografien des noch betriebenen Eisenwerks im saarl√§ndischen V√∂lklingen: Unter einem glutroten und in dichten Rauch getauchten Himmel erheben sich massive verzweigte graue und braune st√§hlerne Formen. Eine zudem l√§rmreiche Szenerie, inmitten derer im Lauf vieler Jahrzehnte Menschen ihrer t√§glichen Arbeit nachgingen. Heutzutage zeigen Aufnahmen hingegen das nunmehr stillgelegte Areal der ‚ÄěV√∂lklinger H√ľtte‚Äú. Und dies oft in kunstvoller Beleuchtung und als Schauplatz von kulturgeschichtlichen und k√ľnstlerischen Ausstellungen zu unterschiedlichen ‚Äď nicht mit dem ehemaligen Werk selbst verbundenen oder industriegeschichtlichen ‚Äď Themen sowie Konzerten. Doch handelt es sich bei der l√§ngst ber√ľhmten Verh√ľttungsanlage im Ruhestand nicht nur um ein durch Umfunktionierung entstandenenes hochkulturelles Veranstaltungszentrum. Sie ist vielmehr auch ein in sich kulturhistorisch- museal inszenierter und touristisch vermarkteter Ort. Ist es doch bereits 20 Jahre her, dass die sogenannte ‚ÄěRoheisenphase‚Äú der V√∂lklinger H√ľtte ‚Äď mit unter anderem ihrer Hochofenanlage, Kokerei und Gebl√§sehalle ‚Äď im Zuge einer am 12. Dezember 1994 begonnenen, f√ľnft√§gigen Tagung im thail√§ndischen Phuket zum ‚ÄěUNESCO-Weltkulturerbe‚Äú bestimmt wurde.

Als ein ‚Äěindustriekulturelles‚Äú Monument der Hochindustrialisierung kann das erhaltene Eisenwerk in der beinahe 40 000 Einwohner z√§hlenden Stadt V√∂lklingen Betrachtern nun erscheinen. Im Rahmen von F√ľhrungen und auf angelegten, beschilderten Wegen l√§sst sich das Gel√§nde mit seinen riesenhaften Ger√ľsten, H√§ngebahnen und Schornsteinen begehen. Dabei werden den Besuchern historische Perspektiven auf das Eisenwerk pr√§sentiert, die zum Beispiel den Arbeitsalltag in der V√∂lklinger H√ľtte darstellen sollen. Gleichzeitig k√∂nnen sie echte Arbeitsger√§te und Technologien der eisenindustriellen Produktion an der St√§tte ihres ehemaligen Einsatzes begutachten. Neben Filmen wollen Klanginstallationen desweiteren √ľber sinnliche Erfahrung Authentizit√§t f√ľr j√§hrlich mehrere hundertausend Besucher herstellen.
Weltkulturerbe-V√∂lklinger-H√ľtte-Stempel.jpgEinst spielte sich in der Anlage anderes ab: Nach der Gr√ľndung Jahr 1873 avancierte das H√ľttenwerk in V√∂lklingen unter der Direktion des Gro√üindustriellen Karl R√∂chling und seiner Familie rasch zum produktionskr√§ftigsten Eisenwerk in Deutschland. Die Roheisenherstellung wurde lange unter dem Namen ‚ÄěR√∂chling‚Äėsche Eisen- und Stahlwerke GmbH‚Äú betrieben. Auch nach dem Ersten Weltkrieg und damit verbundener r√ľstungsindustrieller Arbeit kam es in der Geschichte der V√∂lklinger H√ľtte zu Verstrickungen: W√§hrend des Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieges wurden Ausl√§nder und Kriegsgefangene im Unternehmen zur Arbeit gezwungen. Mitte der 1980er- Jahre wurde die V√∂lklinger H√ľtte nach √ľber 100 Jahren im Zuge einer internationalen Krise der Stahlindustrie geschlossen. In Nachbarschaft mit dem heutigen Industriedenkmal operiert allerdings weiterhin das Werk der ‚ÄěSaarstahl AG‚Äú.
Mit der V√∂lklinger H√ľtte wurde im Dezember 1994 eine Industrieanlage aus dem 19. Jahrhundert ‚Äď in Anbetracht anderer auserkorener Denkm√§ler wie uralter √§gyptischer Pyramiden und Tempel oder in Deutschland zum Beispiel des K√∂lner Doms durchaus aufsehenerregend ‚Äď zu einem konservierten und sukzessive restaurierten Ort der Kategorie Weltkulturerbe gemacht. Zuvor hatten ihr noch schierer materieller Verfall und Verschrottung gedroht.


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Authored by: Marius Prill

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