Freimarken: Stadtbilder statt Bauten
Die Berliner ließen sich Zeit. Anders als im Bundesgebiet durfte man die Ausgabe einer neuen Freimarken-Serie Mitte der 1950er-Jahre als rundum notwendig einstufen. In Trizonesien liefen seit 1951 die Marken mit dem zeitlosen Posthorn-Motiv um. Ohne Weiteres hätte es bis zum Ende des Jahrzehntes an den Postschaltern verbleiben können. Doch schon 1954, kurz vor der sicheren Wiederwahl, erschienen die Freimarken mit dem Porträt des Bundespräsidenten Theodor Heuss, sodass der Posthorn-Satz als Kurzläufer in die philatelistischen Geschichtsbücher einging. Dass die ersten Heuss-Marken am 70. Geburtstag des Liberalen erschienen, war mehr als nur eine Fußnote der Philateliegeschichte.
In Berlin kursierte bereits seit März 1949 die Bauten-Serie. Nach den mit den Währungsreformen einhergehenden Aufdruck-Provisorien vom September 1948 und Januar 1949 bildete sie die erste eigenständige Ausgabe der Magistratspost – die übliche Katalogisierung täuscht darüber hinweg, da die Sondermarken zum Jubiläum des Weltpostvereins erst nach dem Auftaktwert der Bauten erschienen, aber kleinere Katalognummern haben. Die im Buch- und Stichtiefdruck hergestellten Marken zeigten Bauten aus allen vier Sektoren der Stadt. Damit demonstrierte der freie Teil Berlins den Anspruch, für die gesamte Stadt zu sprechen; die Ausrufung eines eigenen Magistrats für den Ostsektor war keine vier Monate her…
Ab 1956 hieß es auf Berliner Freimarken „Deutsche Bundespost Berlin“. Mehr dazu lesen Sie in der DBZ 12/2026. Das Heft erscheint am 17. Juni 2026. Abonnenten erhalten es immer etwas früher und sparen auch noch Geld dabei.
Titelabbildung: Ein Kunde der Fachbuchhandlung Paul Regitz scheint am 16. Juli 1960 dringend die „Konsulats- und Mustervorschriften“ benötigt zu haben, weshalb die Postkarte mit dem Bücherzettel per Luftpost von Berlin nach Hamburg reiste. Zu zehn Pfennig Postkartengebühr kamen noch fünf Pfennig Luftpostzuschlag hinzu (MiNr.145).
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